Kapitalmarkt-Ausblick 2026

Kapitalmarkt-Ausblick 2026

Was Anlegerinnen und Anleger jetzt wissen sollten

Viele Menschen haben das Gefühl: Jeden Tag neue Schlagzeilen, neue Krisen, neue Risiken. Umso wichtiger ist eine ruhige Einordnung – besonders für alle, die bereits in Wertpapiere investieren oder es vorhaben.

Genau deshalb hat die Weser-Elbe Sparkasse (WESPA) bei einer internen Mitarbeiterveranstaltung den Deka-Volkswirt Dr. Holger Bahr eingeladen. Sein Auftrag: den Blick auf den Kapitalmarkt 2026 schärfen – damit unsere Beraterinnen und Berater die wichtigsten Entwicklungen verständlich einordnen können. Die zentralen Aussagen aus diesem Vortrag fassen wir hier für wertpapieraffine Kundinnen und Kunden zusammen.

 

Weltwirtschaft 2026

Solides Grundtempo trotz vieler Unsicherheiten

Dr. Bahr erwartet, dass die Weltwirtschaft auch 2026 in etwa um 3 % wachsen kann. Das ist kein Boom, aber ein stabiles Fundament. Viele Länder stehen vor Herausforderungen – und wachsen dennoch weiter.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Auch wenn Nachrichten dramatisch wirken, kann die wirtschaftliche Basis stabil bleiben. Entscheidend ist aus seiner Sicht, dass Unternehmen und Volkswirtschaften aktuell vor allem zwei Eigenschaften zeigen müssen: Flexibilität und Widerstandsfähigkeit.

 

Politik, Schlagzeilen und Kapitalmärkte

 Oft weniger Wirkung als gedacht

Zölle, geopolitische Konflikte oder harte politische Aussagen prägen die Nachrichtenlage. Dr. Bahr macht jedoch deutlich, dass Kapitalmärkte häufig weniger stark reagieren, als es Schlagzeilen vermuten lassen.

Dauerhafte Marktbewegungen entstehen vor allem dann, wenn politische Entscheidungen spürbar auf Inflation, Zinsen oder Unternehmensgewinne wirken. Extremere Szenarien – etwa ein großer militärischer Konflikt – wären allerdings echte Belastungsfaktoren für die Märkte. Sie gehören jedoch nicht zum Basisszenario.

 

Inflation und Zinsen

Rückkehr zur Normalität

Ein zentrales Thema für 2026 ist die Normalisierung der Inflation. Eine Inflationsrate von rund 2 % gilt wieder als Zielwert der Europäischen Zentralbank. Liegt die Inflation in dieser Zone, müssen Notenbanken weniger eingreifen.

Das schafft Planbarkeit: für Unternehmen, für Kapitalmärkte und auch für Anlegerinnen und Anleger. In den USA können Zölle kurzfristig zu höheren Preisen führen – vergleichbar mit einer Steuerwirkung. Dr. Bahr geht jedoch davon aus, dass solche Effekte zeitlich begrenzt bleiben, sofern keine neue Eskalation folgt.

 

Der US-Dollar

2025 als Lehrstück, 2026 mit geringerer Bedeutung

Viele europäische Anlegerinnen und Anleger haben erlebt, dass US-Anlagen trotz guter Entwicklung enttäuschen können, wenn der Dollar deutlich nachgibt. Dieser Effekt war im Vorjahr besonders spürbar.

Für 2026 rechnet Dr. Bahr zwar eher mit einem tendenziell schwächeren Dollar, jedoch in deutlich kleineren Bewegungen. Der Wechselkurs dürfte damit eine Rolle spielen, aber nicht mehr der zentrale Renditetreiber sein.

 

Anleihen 2026

 Laufende Erträge sind wieder da – mit Schwankungen

Nach Jahren sehr niedriger Zinsen sind Anleihen wieder attraktiver geworden. Laufende Erträge (Kupons) sind wieder erreichbar. Unternehmensanleihen bieten meist höhere Renditen als Staatsanleihen, abhängig von Bonität und Risiko.

Gleichzeitig erwartet Dr. Bahr, dass große staatliche Investitionsprogramme – etwa für Infrastruktur oder Verteidigung – zu vielen Neuemissionen führen. Das kann zeitweise mehr Volatilität am Rentenmarkt bedeuten. Anleihen bleiben damit ein wichtiger Baustein, sind aber nicht frei von Schwankungen.

 

Aktien 2026

Hohe Bewertungen, aber Gewinnentwicklung zählt

Viele Aktienmärkte erscheinen im historischen Vergleich hoch bewertet. Dennoch können Aktien weiter zulegen, wenn zwei Faktoren zusammenspielen: steigende Unternehmensgewinne und Zinsen, die nicht bremsen.

Dr. Bahr hält daher eine taktisch leichte Übergewichtung von Aktien für nachvollziehbar – mit dem klaren Hinweis, dass Rücksetzer jederzeit möglich sind. Schwankungen gehören auch 2026 zum Marktgeschehen.

 

Gold

Als Beimischung, nicht als Allheilmittel

Gold sieht Dr. Bahr nicht als Renditetreiber, sondern eher als Beimischung im Depot. Es kann stabilisierend wirken und langfristig einen Inflationsausgleich bieten. Große Renditesprünge erwartet er davon jedoch nicht.

 

Deutschland

Strukturfragen wichtiger als kurzfristige Konjunktur

Ein deutlicher Teil des Vortrags war Deutschland gewidmet. Dr. Bahr unterscheidet zwischen kurzfristigen konjunkturellen Effekten und dem langfristigen Potenzialwachstum – also dem durchschnittlichen Wachstumstempo der Wirtschaft.

Seine Einschätzung: Bürokratie, hohe Kosten und strukturelle Herausforderungen bremsen. Reformen wirken langsam, können aber langfristig entscheidend sein. Gelingt es, die Rahmenbedingungen zu verbessern, könnte das Potenzial in den 2030er Jahren wieder steigen.

 

Langfristig investieren

Zeit ist der wichtigste Renditefaktor

Zum Abschluss betont Dr. Bahr einen Grundsatz, der für viele Anlegerinnen und Anleger entscheidend ist: Zinseszins braucht Zeit. Langfristiger Vermögensaufbau lebt weniger vom perfekten Einstiegszeitpunkt als von einem langen Anlagehorizont.

Gerade für Altersvorsorge oder den Vermögensaufbau für Kinder und Enkel gilt: Zeit im Markt ist häufig wichtiger als kurzfristige Marktbewegungen.

 

Fazit

Breit aufstellen, Schwankungen aushalten, langfristig denken

Der Kapitalmarkt-Ausblick für 2026 lässt sich so zusammenfassen:
Die Weltwirtschaft wächst weiter, Inflation und Zinsen normalisieren sich, Märkte bleiben schwankungsanfällig – bieten aber weiterhin Chancen. Aktien bleiben ein zentraler Baustein, Anleihen liefern wieder laufende Erträge, und langfristiges Denken bleibt entscheidend.

Was bedeutet das konkret für Sie?

Welche Anlageform für Sie persönlich die richtige ist, hängt von Ihren Zielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft ab. Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten.

Deshalb empfiehlt die Weser-Elbe Sparkasse: Klären Sie Ihre individuelle Anlagestrategie in einem persönlichen Beratungsgespräch. Die Beraterinnen und Berater der WESPA unterstützen Sie dabei, Chancen und Risiken realistisch einzuordnen und eine Lösung zu finden, die zu Ihrer Lebenssituation passt.

 

Wichtiger Hinweis (MiFID-konform)

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung, Anlagevermittlung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Kurse können schwanken, und es sind Verluste bis hin zum Totalverlust möglich. Aussagen zur Marktentwicklung sind Prognosen und können sich als falsch erweisen. Bitte prüfen Sie vor einer Anlageentscheidung Ihre persönliche Situation (Anlageziel, Risikobereitschaft, Anlagehorizont) und lassen Sie sich bei Bedarf individuell beraten.

 

 

Kurz-FAQ für Leserinnen und Leser 

Warum ist „3 % Weltwachstum“ für Anleger wichtig?
Weil Wachstum häufig bedeutet: Unternehmen können Umsätze und Gewinne steigern – ein wichtiger Treiber für Märkte. 

Warum spielt der Dollar eine Rolle?
Wenn Sie in US-Anlagen investieren, hängt Ihre Rendite in Euro auch davon ab, wie sich der Wechselkurs entwickelt.

Sind Anleihen wieder attraktiv?
Sie können wieder laufende Erträge bieten. Trotzdem gibt es Kurs- und Bonitätsrisiken. Entscheidend ist die passende Mischung im Depot.